00:00DanaWillkommen zurück bei Regulatorik und Realität, Folge drei. Mein Name ist Dana. Neben mir sitzt Mario Pustan wie immer irgendwo zwischen Krawatte und Kapuze.
00:10MarioHallo Dana! Hallo zusammen! Schön dass ihr wieder dabei seid.
00:14DanaZur Erinnerung: Beide Stimmen in diesem Podcast sind synthetisch. Mario ist ein Voice Clone seiner echten Stimme. Meine ist eine professionelle Sprecherstimme. Alles andere — die Einschätzungen, die Zahlen, die Projekte — ist echt.
00:29DanaIn Folge eins haben wir KI-Regulierung, DORA und die BaFin-Orientierungshilfe aus Vorstandsperspektive betrachtet. In Folge zwei ging es um verschobene Fristen und bleibende Umsetzungspflichten auf Vorstands-Ebene, Governance-Perspektive. Diese Folge übersetzt das in eine einzige Bestandsfrage: Wer merkt eigentlich, wenn ein Reaktivierungsrecht läuft?
01:11MarioWir verlassen heute die Vorstandsetage und gehen ins Maklergeschäft — zu den Leuten, die in den nächsten fünf Wochen mit Arbeitgebern reden müssen.
01:42DanaDas sagen viele, bis sie merken dass sie es ihren Kunden erklären müssen.
01:47MarioIn einem Satz: Kehrt ein Mitarbeiter nach einer entgeldlosen Zeit zurück — Elternzeit, Pflegezeit, Langzeiterkrankung — kann er seine bAV-Direktversicherung zu den ursprünglichen Konditionen reaktivieren, auf Verlangen, innerhalb von drei Monaten. Ab 1. Juli 2026 gilt das für alle entgeldlosen Zeiten, nicht mehr nur für Elternzeit.
02:12DanaDrei Szenarien zeigen, warum es das nicht ist.
02:17MarioSzenario I — Die Stille frisst. Eine Mitarbeiterin kehrt im August aus der Elternzeit zurück. Sie weiß nicht, dass sie ihr Reaktivierungsrecht hat. Ihr Arbeitgeber auch nicht. Der Makler hat keinen Trigger im Prozess. Drei Monate später ist der Anspruch verwirkt — still, ohne Hinweis, ohne Möglichkeit zur Korrektur. Die Frage die dann kommt: Warum hat das niemand gesagt?
02:41MarioSzenario II — Die neue Zielgruppe. Ab 1. Juli gilt § 212 auch bei Langzeiterkrankung und Pflegezeit. Ein Mitarbeiter ist seit Monaten krankgeschrieben — er ist berechtigt. Aber wer informiert ihn? Der Arbeitgeber oder der Versicherer? Oder der Makler, der den Bestand kennt? Die Antwort, die die Praxis kennt: niemand, wenn niemand einen Prozess hat.
03:07MarioSzenario III — Die Chance. Wer jetzt seine Firmenkunden fragt, wer ist gerade in Elternzeit, Pflegezeit oder Langzeiterkrankung, hat einen Bestandsanlass, den keiner erwartet. Das Reaktivierungsrecht ist nicht selbst steuernd — es braucht einen Trigger! Wer diesen Trigger kennt und vorbereitet, sitzt nach dem 1. Juli am richtigen Tisch. Nicht als Produktverkäufer. Als Architekt des Rückkehrprozesses.
03:32DanaDer Satz sitzt.
03:34MarioUnd er gilt: § 212 VVG ist kein Randparagraf, sondern ein stiller Stresstest. Der Stresstest beginnt nicht am 1. Juli — er beginnt heute!
03:41DanaDas ist auch der Satz, der morgen im Newsletter steht …
03:44MarioÜbermorgen im Newsletter. Morgen läuft diesmal synchron. Wer noch nicht abonniert ist: Regulatorik und Realität auf LinkedIn.
04:00DanaDas ist die Erwartung. Und die Erwartung ist das Problem, wenn man beim alten Stand bleibt. Das Sozialpartnermodell — kurz SPM — war bislang ein Instrument für tarifgebundene Unternehmen. Arbeitgeber und Gewerkschaften schaffen gemeinsam ein bAV-Modell ohne Arbeitgeberhaftung. Pure DC, keine Garantie, soweit bekannt. Ab 1. Juli ändert sich das.
04:22MarioWas ändert sich konkret? Drei Änderungen. Erstens, die Öffnung: Nicht-tarifgebundene Unternehmen können künftig an bestehenden SPMs andocken, wenn die Tarifvertragsparteien zustimmen. Für KMUs ohne Tarifbindung öffnet sich erstmals eine Option ins reine DC-Modell — kein Automatismus, aber eine echte Möglichkeit.
04:44MarioZweitens, Opting-Out ohne Tarifvertrag: Ebenfalls neu ab 1. Juli — Opting-Out-Lösungen werden auch ohne tarifvertragliche Grundlage möglich. Das ist eine der stillen Änderungen, die in der Aufregung um § 212 leicht übersehen wird, und die Makler kennen sollten, bevor ihre Mandanten fragen.
05:03MarioDrittens, die Evaluierungsklausel: Hat sich die Zahl der SPM-Verträge bis zum Stichtag nicht verdoppelt, öffnet sich das Modell vollständig für alle Unternehmen. Das ist eine implizite Botschaft des Gesetzgebers: Das Modell soll wachsen. Makler, die jetzt die Sprache des SPM sprechen, sind früher am Tisch.
05:29DanaUnd für KMUs ohne Tarifbindung? Was bedeutet das konkret?
05:33MarioVorsichtig optimistisch. Die Option ist da — aber die Voraussetzungen gelten: Zustimmung der Tarifvertragsparteien, Andocken an ein bestehendes SPM. Wer diese Bedingungen im Mandatsgespräch weglässt, baut ein Missverständnis — und das schlägt zwei Jahre später auf.
05:54DanaZwei Meldungen, und die es wert sind, auseinanderzuhalten.
05:58MarioErstens, die Aktivrente: Ab 1. Juli gilt § 6 BetrAVG neu. Mitarbeitende können ihre bAV bereits beziehen, wenn sie nur eine Teilrente aus der gesetzlichen Rentenversicherung erhalten. Das ist BRSG II, bestätigt — neuer Beratungsanlass für Mandanten im Übergang zur Rente.
06:21MarioZweitens — und das ist etwas anderes — das Frühstart-Rentenmodell: Der Koalitionsvertrag sieht staatlich geförderte Ertragskonten für Kinder ab Geburt vor. Operative Details sind noch offen, kein Beschluss. Das politische Momentum wächst — aber das ist nicht dasselbe wie Gesetz. Was Makler tun können: beobachten und das Thema bei jungen Familien im Firmenkundenportfolio proaktiv ansprechen.
06:52DanaDie zweite Meldung. Praxisfrage zum § 212-Trigger: Die BaFin hat sich noch nicht formal zur Umsetzungspraxis geäußert — und genau das ist das Problem. Versicherer bauen ihre Prozesse gerade erst. Für Makler bedeutet das: jetzt mit den Hauptversicherern klären, wie der Trigger aussieht, wenn ein Mitarbeiter aus entgeldlosen Zeiten zurückkommt. Anschreiben, Fristen, Formular. Wer das nach dem 1. Juli klärt, klärt es zu spät.
07:24DanaUnd die drei Dinge für diese Woche?
07:27MarioErstens, Bestandsanalyse: Welche Firmenkunden haben Mitarbeitende in entgeldlosen Zeiten — Elternzeit, Pflegezeit, Langzeiterkrankung? Welche Direktversicherungen sind dort beitragsfrei gestellt? Das ist das Reaktivierungsportfolio, und es braucht keine Software. Eine Stunde.
07:51MarioZweitens, Versicherergespräch: Wie läuft deren Kommunikationsprozess ab 1. Juli? Wer die Antwort noch nicht kennt, braucht sie diese Woche.
07:59MarioDrittens, Formulierung üben: Erkläre § 212 in zwei Sätzen laut einem Kollegen. Wer es jetzt nicht flüssig kann, wird das Ende Juni nicht flüssig können.
08:09DanaBevor wir zum Outro kommen — drei Fragen aus den Kommentaren der letzten Ausgabe, Mario. Kurz und konkret.
08:17MarioSehr gerne!
08:20DanaFrage eins: Reicht es, Kunden nach dem 1. Juli zu informieren?
08:23MarioNein. Das Timing liegt beim Versicherer. Der Prozess liegt beim Makler. Wer wartet, bis der Versicherer informiert hat, kommt zu spät für das Beratungsgespräch. Die Fensterscheibe ist dann schon zugegangen.
09:01DanaFrage zwei: Wie erkläre ich dem Arbeitgeber, was er konkret tun muss?
09:02DanaFrage drei: Verliere ich das Mandat, wenn mein Kunde die Direktversicherung nach entgeldlosen Zeiten nicht reaktiviert?
09:08MarioNicht zwingend — aber das ist die falsche Frage. Die richtige Frage ist: Warst du derjenige, der informiert hat, bevor die Frist abgelaufen ist? Wer reaktiviert oder nicht, ist die Entscheidung des Mitarbeiters. Wer die Entscheidungsgrundlage liefert — das ist die Differenz.
09:36DanaDann hat diese Folge sich schon gelohnt.
09:52MarioEin Satz, der hängt: § 212 ist kein Randparagraf, sondern ein stiller Stresstest. Und wer heute anfängt, ist besser vorbereitet als wer am 30. Juni anfängt.
10:05DanaIm Newsletter — heute beziehungsweise morgen neun Uhr — gibt es die drei Szenarien und den Self-Check schwarz auf weiß. Link in den Shownotes.
10:15DanaUnd in zwei Wochen wechseln wir noch einmal die Kamera — raus aus dem Maklergeschäft, rein in den Maschinenraum. BSI Grundschutz++, DORA-Belastungstests!
10:26MarioUnd die Frage, die Makler schon bald von Firmenkunden hören werden: Was passiert bei einem Cyberangriff mit unserer bAV?
10:37DanaDas klingt nach einem Satz, der schon sitzt.
10:40MarioEr sitzt: Aus IT-Resilienz wird in dem Moment eine Beratungssituation, in dem ein Kunde fragt, was gerade passiert.
10:47DanaBis dann!